Thomas Gransow
Wolf-Ullrich Malm
 

Neapel und die Halbinsel von Sorrent
 

 Menschen am Golf

Lady Hamilton

Text 1

Eine Liebe unter dem Vesuv 


Dem Sarg folgen ein Arzt und ein junges Mädchen. Dazu ein paar englische Landsleute und einige Kapitäne, deren Schiffe zufällig am Ort des Geschehens, in Calais, vor Anker liegen. Es ist der 21. Januar 1815. Die Fremde, die man dort so still zu Grabe trägt, ist keine Unbekannte. Sie gehörte zu den berühmtesten, begehrtesten Menschen der Epoche. Nicht nur Lord Nelson, der Held von Trafalgar, der fast auf die Woche genau neun Jahre zuvor in Londons St. Pauls?Kathedrale feierlich bestattet worden war, hatte sie angebetet. Maler aus ganz Europa porträtierten sie, Dichter besangen ihre Schönheit. 

Und doch war das ärmliche Begräbnis der Emma Hamilton in Calais auch so etwas wie eine späte Heimkehr in jene Sphäre, in der ihre beispiellose Karriere einst begonnen hatte. Denn Lady Hamilton entstammte keineswegs der Klasse, in der sie den größten, glanzvollen Teil ihres Lebens verbrachte. 

Als Tochter des Dorfschmieds Henry Lyon wurde sie geboren, am 26. April 1765 in Chester, in der Grafschaft Cheshire. Der Vater starb kurz nach ihrer Geburt, die Mutter zog mit dem Kind zu ihren Eltern nach Hawarden. Als ambulante Kohlenhändlerin verdiente sie sich den Unterhalt.

Das Leben der Emma Lyon scheint vorgezeichnet. 14 Jahre alt, tritt sie ihre erste Stelle als Kindermädchen in einer Arztfamilie an. Dort lernt sie lesen und schreiben. Gemeinsam mit der Mutter geht sie bald darauf nach London, wo beide als Dienstmädchen arbeiten. Um 1780 ist Emma angestellt im Haushalt des Besitzers des Drury Lane Theatre ? natürlich will sie jetzt Schauspielerin werden.

Doch die nächste Station ist trist. Sie wird Zofe in einem Edelbordell; dort soll sie auch ihrem ersten Liebhaber begegnet sein, einem Marineoffizier. Dann finden wir sie in einem merkwürdigen Etablissement wieder, im »Tempel des Äskulap« oder »Tempel des Hymen« des selbst ernannten Sex-Therapeuten James Graham. Der Schotte verspricht, Impotenz heilen zu können, und bietet in seinem luxuriösen Haus neben harmlosen Moorbädern allerlei hypnotische und »elektrische« Behandlungen an. Zudem gibt es für unfruchtbare Ehepaare ein besonders anregendes »himmlisches Bett«, aphrodisisch parfümiert und auf Kristallfüßen ruhend, 50 Guineen die Nacht.

Die Attraktion des Hauses aber sind die »Göttin Hygieia«, die Göttin der Gesundheit, und ihre Gehilfinnen. Eine davon ist Emma. Bekleidet nur mit einem Gazeschleier, zeigt die junge Schönheit ihren Körper in antikischen Posen, die ihre therapeutische Wirkung auf Doktor Grahams männliche Patienten nicht verfehlen.

Emma findet Gefallen an diesen Auftritten, an diesen »Attitüden«, wie sie genannt werden. Im Laufe ihres Lebens entwickelt sie die pantomimische Kunst des »lebenden Bildes« zur Vollkommenheit. So bezaubert sie später in Neapel ihre Gäste als Medea, lphigenie, als Ariadne und Niobe. Auch Goethe ist hingerissen: »Man schaut, was so viele tausend Künstler gerne geleistet hätten, hier ganz fertig in Bewegung und überraschender Abwechslung. Stehend, kniend, sitzend, liegend, ernst, traurig, neckisch, ausschweifend, bußfertig, lockend, drohend, ängstlich etc., eins folgt aufs andere und aus dem andern. Sie weiß zu jedem Ausdruck die Falten des Schleiers zu wählen, zu wechseln, und macht sich hundert Arten von Kopfputz mit denselben Tüchern.«

Früh schon zieht Emma die Künstler an. In jenem Londoner Tempel des Erotologen Graham lernt der Maler George Romney sie kennen und glaubt, in ihr sein ideales Modell gefunden zu haben. Von 1782 an entsteht Porträt um Porträt, ein wahrer Schaffensrausch überwältigt den 50?jährigen Meister: Emma als Circe, Kassandra, Kalypso, als Heilige Cäcilie, Maria Magdalena und Johanna von Orléans. Romney schmachtet sie an, sie ist seine »divine lady«, die Beziehung bleibt platonisch.

Wesentlich irdischer gestaltet sich die Leidenschaft von Sir Harry Fetherstonehaugh. 1781 nimmt er die 16?Jährige mit auf seinen Landsitz nach Sussex. Emma führt dort ein buntes Leben. Mit frühem Selbstbewusstsein und voller Lebenslust entfaltet sie all ihre Kunst und all ihren Charme, zeigt, bei prachtvollen Diners, ihre »Attitüden«, singt und tanzt nackt auf dem Tisch. Sir Harry führt sie vor - er ist stolz, alle beneiden ihn um diese temperamentvolle Schönheit. Doch dann hat er genug. Das hübsche Spielzeug beginnt ihn zu langweilen, und als Emma ihm gesteht, schwanger zu sein, speist er sie mit einem Almosen ab und weist sie aus dem Haus.

Die junge Frau flüchtet zu ihren Großeltern nach Hawarden. Dort erinnert sie sich an einen hartnäckigen Verehrer, an Sir Charles Greville. Sie schreibt ihm einen verzweifelten Brief? »Was soll ich tun? Großer Gott! Was soll ich nur tun?«

Unterschrieben hat sie mit dem Namen Hart. Es ist viel darüber spekuliert worden, ob sie in der Zwischenzeit geheiratet hatte, oder ob sie Greville wegen ihrer Schwangerschaft eine (missglückte) Ehe vorspiegeln wollte. Später, als sie schon in Neapel lebt, empfängt sie einmal den Besuch eines Musikers namens Hart. Aber welche Rolle er in ihrem Leben spielt oder zuvor gespielt hat, bleibt unklar.

Sir Charles jedenfalls sieht seine Chance, gibt den edlen Retter und nimmt die junge Frau auf. Emmas Mutter (auch sie hat einen anderen Namen angenommen) steht persönlich vor der Tür, um ihrer Tochter beizustehen und als Haushälterin für Greville zu arbeiten. Das Mädchen, Fetherstonehaughs Töchterchen, das im März 1782 zur Welt kommt, wird von Ernmas Großeltern aufgezogen.

Das Leben mit Greville ist nicht so lustig und verrückt wie das mit Sir Harry. Ihr neuer Liebhaber ist knapp bei Kasse, und er verpflichtet seine Mätresse zu Gehorsam und Zurückhaltung in der Öffentlichkeit. Sie fügt sich.

Doch schon ein gutes Jahr später, im Sommer 1783, kommt es zu einer Begegnung, die ihr Leben völlig verändern wird. Greville erwartet den Besuch seines verwitweten Onkels Sir William Hamilton, dessen Universalerbe er zu werden hofft. Hamilton, Botschafter Englands beim König von Neapel, bekannt als exzellenter Kunstkenner und manischer Sammler, ist hingerissen von der Geliebten seines Neffen. Sie scheint ihm geradewegs einem antiken Vasenbild, geradewegs dem griechischen Götterhimmel entsprungen zu sein. Bevor er nach Neapel zurückkehrt, lässt er Emma malen und nimmt das Bildnis als teures Andenken mit.

Als er im Jahr darauf wieder zu Gast bei seinem Neffen ist, hat sich die Lage im Hause Greville verdüstert. Der junge Lord ist pleite, hoch verschuldet und sucht händeringend nach einer reichen Braut. Doch er ist anständiger als Sir Harry, er will für die Zukunft seiner Geliebten sorgen. Warum Emma nicht seinem verwitweten Onkel überlassen? Nur heiraten darf der sie natürlich nicht, denn dann wäre ja das spätere Erbe für Greville verloren. Bei einer kurzen Trennung - Greville ist in Wales auf dem Gut der verstorbenen Frau Hamiltons, das er als Verwalter betreuen soll, Emma besucht ihre Tochter - geht die junge Frau in sich, zeigt sich einsichts? und entsagungsvoll und schreibt schließlich an den von ihr leidenschaftlich Geliebten, dass sie seinen Onkel Sir William »auch ein bisschen gern« hat.

Greville preist unterdessen dem Onkel seine Mätresse schamlos an: »Emma ist bei voller Gesundheit, und ich muss hinzufügen, dass sie die einzige Frau ist, mit der ich geschlafen habe, ohne dass einer meiner Sinne beleidigt wurde. Es gibt keine zärtlichere und kultiviertere Bettgefährtin.«

Eigentlich überflüssig. Denn Onkel William ist ohnehin von Emma bezaubert. Greville schlägt ihm vor, sie nach Neapel einzuladen. Der Botschafter, 35 Jahre älter als die junge Schöne, überlegt nicht lange - gibt es ein strahlenderes Schmuckstück für seine Kunstsammlung? Emma hingegen, die mehr ahnt, als sie zugibt, tut es allein Greville zu Gefallen und reist ab, Richtung Mittelmeer.

An ihrem 21. Geburtstag, am 26. April 1786, trifft sie zusammen mit ihrer Mutter in Neapel ein, herzlich empfangen von Hamilton in seiner Residenz, dem Palazzo Sessa. Der Botschafter zeigt den Damen die prachtvolle Stadt und bekennt seine große Liebe zum Vesuv (den er in seinem Leben zweiundzwanzigmal besteigen wird).

Emma genießt das touristische Programm, die Freundlichkeit Hamiltons, schreibt aber täglich leidenschaftliche, bald klagende Briefe an Greville, denn sein Onkel wünsche mehr als ihre amüsante Gesellschaft. Greville antwortet seiner ehemaligen Mätresse unumwunden, er denke nicht daran, sie nach England zu holen, sie solle sich Hamilton nicht länger verweigern. Gut sieben Monate nach ihrer Ankunft in Neapel gibt Emma nach. Sie ist realistisch genug, die Chance Hamilton zu ergreifen.
Der erfahrene Diplomat seinerseits erkennt rasch ihre Besonderheit, ihr Persönlichkeit. Er will sie ausbilden. Schon wimmelt es im Palazzo von Lehrern für Italienisch, Französisch, Gesang, Tanz, Cembalo. Die junge Frau spricht bald ein besseres Italienisch als der Botschafter. Sie zeigt vollendete Anmut, der Tanzlehrer ist entzückt, der Gesangslehrer begeistert. Opernhäuser machen ihr Angebote. Sie glänzt auf den Gesellschaften Hamiltons. Neapel - mit Ausnahme der englischen Kolonie - ist betört, selbst der etwas einfältige König Ferdinand macht ihr Avancen.

Ihr Ruf verbreitet sich über ganz Europa, Zar Alexander I. bestellt ein Porträt von ihr. Sir Williams Briefe an seinen Neffen Greville bersten vor Stolz. Nur ein Gedanke trübt die Glückseligkeit.

Emma scheint seine Ehefrau werden zu wollen: »Aber ich fürchte, dass die Verwirklichung ihres Wunsches nicht in meiner Macht liegt [...]. Stellen Sie sich nur den Altersunterschied vor: sie, vierundzwanzig, ich, neunundfünfzig! Diese Spanne könnte ungeahnte Folgen haben. Dennoch muss ich sagen, dass ihr Verhalten in jeder Hinsicht einwandfrei ist.« Als es Emma aber gelingt, dank einiger einflussreicher Freunde noch die letzten Mitglieder der englischen Gesellschaft Neapels zu erobern, als selbst Königin Maria Carolina - eine Tochter Maria Theresias und Schwester Marie Antoinettes von Frankreich - sich innig mit der jungen Frau befreundet, da kann auch Sir William der Vorstellung nicht mehr widerstehen: Warum soll sie nicht Lady Hamilton werden?

Er gedenke, schreibt der Botschafter im Januar 1791 an eine Freundin in England, seine Geliebte zu einer »ehrbaren Dame« zu machen. Und so heiratet trotz des Entsetzens seiner Verwandten Sir William Hamilton Miss Emma Lyon-Hart am 6. September 1791 während eines Urlaubs in London. Bei der Trauung ist auch Greville anwesend - was wird nun aus seinem Erbe?

Auf der Rückreise macht das Ehepaar Station im revolutionären Paris. Die seit ihrem gescheiterten Fluchtversuch internierte Königin Marie Antoinette vertraut Emma einen Brief an ihre königliche Schwester an. Als Emma ihn in Neapel übergibt, ist die Freundschaft zwischen Maria Carolina und der Botschaftergattin nicht mehr zu erschüttern.

Natürlich steht das bourbonisch-habsburgische Königspaar, das Neapel und Sizilien regiert, auf der Seite Englands. Beeinflusst von Lady Hamilton, hat Maria Carolina erlaubt, dass englische Segelschiffe hier ankern und die Mannschaften sich proviantieren können. Admiral Horatio Nelson weiß das Entgegenkommen zu schätzen. 1793 gewinnt er in Sir Hamilton einen Freund  - und lernt in diesen Tagen auch dessen Ehefrau kennen.

Fünf Jahre später. Neapel ist im Taumel. Nach der Schlacht am Nildelta bei Abukir, in der Nelson der französischen Flotte am 1. August 1798 eine erste schwere Niederlage zugefügt hat, bereitet die Stadt dem Helden einen triumphalen Empfang. Noch an Bord seines Schiffs sinkt Lady Hamilton Nelson halb ohnmächtig an die Brust sie versteht sich auf Szenen! Der Admiral wohnt selbstverständlich in der Residenz des britischen Botschafters, und Emma übernimmt gemeinsam mit ihrer Mutter die Pflege des Seehelden, nach den Anstrengungen der Schlacht.

Fünf Jahre ist es her, dass Lady Hamilton und Nelson sich kennen gelernt haben; seither sind sie getrennt gewesen. Sie ist sehr dick geworden, er hat im Verlauf etlicher Gefechte ein Auge und einen Arm verloren. Sie verlieben sich leidenschaftlich ineinander. In einem Brief an seine Frau bezeichnet der Admiral Lady Hamilton als »eine der erstaunlichsten Frauen auf dieser Welt«.

Emma huldigt öffentlich dem großen Seemann: Zu seinem 40. Geburtstag am 28. September organisiert sie ein gigantisches Fest, 1800 Gäste feiern und tanzen.

Es soll das vorerst letzte Fest bleiben. Bereits 1796/97 hat Frankreichs Italienarmee unter dem Oberbefehl eines sehr begabten jungen Generals namens Napoleon Bonaparte weite Teile der Halbinsel erobert. jetzt rücken französische Truppen vom Kirchenstaat her, der gerade zur Römischen Republik erklärt worden ist, gegen Neapel vor. Auf Nelsons Schiffen flieht die königliche Familie nach Palermo; Ende Januar 1799 wird auch in Neapel die Republik ausgerufen.

Emma Hamilton begleitet den Hof An Bord kümmert sie sich um die seekranken Mitreisenden; Nelson kann sie nicht genug dafür loben. Trotz anderslautender Befehle der Admiralität bleibt er noch einige Wochen bei den Hamiltons in Palermo. Wie viel der Botschafter von der Liebesbeziehung seiner Frau zu Nelson weiß, ob überhaupt, das alles muss offen bleiben.

Als der Held, gezwungen von seinem Oberbefehlshaber, wieder auf See ist, leidet er an Heimweh und schreibt Emma sehnsüchtige Briefe: »Ich bete Sie an, und wären Sie allein und ich hätte Sie unter einer Hecke gefunden, ich hätte Sie auf der Stelle geheiratet.«

Zwar können die Royalisten Neapel im Sommer 1799 zurückerobern (und Ferdinand nimmt schreckliche Rache an allen Republikanern), doch schon ein Jahr später verlassen Hamilton und seine Frau das sizilianische Königreich für immer. Napoleon ist wieder in Italien, im Juni 1800 schlägt er bei Marengo Habsburgs Heer.

Über Triest, Wien und Eisenstadt, wo sie Haydn empfängt, über Dresden und Hamburg, wo Emma dem greisen Klopstock die Ehre erweist, reisen die Hamiltons zusammen mit Nelson in die Heimat zurück. Als sie Ende des Jahres 1800 in London eintreffen, ist Emma hochschwanger. In den letzten Januartagen 1801 kommt sie mit einem Mädchen nieder; ihr Mann scheint den kleinen Zwischenfall stoisch ignoriert zu haben. Das Geburtsdatum wird gefälscht, die Identität der Eltern verschleiert. Doch Horatio Nelson bestimmt den Vornamen seiner Tochter: »Sie soll Horatia heißen.«

Im April 1803 stirbt Lord Hamilton in London. Charles Greville ist Alleinerbe, Emma erhält lediglich eine großzügige Rente, mit der sie, die nie wirtschaften gelernt hat, nicht auskommen wird.

Nelson hingegen, der sich inzwischen von seiner Frau getrennt hat, schenkt ihr ein Gut und gibt ihr Geld. Sie beginnt mit reichen Männern auszugehen, hofft aber auf eine Heirat mit Nelson, von dem sie wieder ein Kind erwartet. Das Mädchen kommt 1804 zur Welt; es stirbt kurz nach der Geburt.

Obwohl sie von der englischen Regierung 1805 wegen der Verdienste Hamiltons eine zusätzliche Rente erhält, ertrinkt Emma in Schulden. Zu viel Luxus. Zu viele Feste, zu viele Kleider.

Ein letztes Mal, von August bis September 1805, leben Emma Hamilton und Nelson auf ihrem Landgut zusammen und holen ihre Tochter Horatia für ein paar Tage zu sich; er ist ganz vernarrt in das Kind. Dann folgt der Abschied.

Am 21. Oktober fällt der Admiral in der Seeschlacht bei Trafalgar. Anfang Januar 1806 wird er in London feierlich zu Grabe getragen. Lady Hamilton ist nicht dabei; Nelsons Familie hat sich ihr Erscheinen verbeten. Der Außenminister ignoriert alle testamentarischen Verfügungen, die der Admiral zugunsten Emmas getroffen hat. Noch einmal helfen gute Freunde, aber sie sinkt immer tiefer. Nachdem sie zweimal ins Schuldgefängnis musste, aus dem sie wiederum nur mit Hilfe von Freunden ausgelöst werden kann, entschließt sie sich, gemeinsam mit Horatia England zu verlassen.

Als sie im Juli 1814 in Calais ankommt, lebt sie zunächst im besten Hotel, dann auf einem Bauernhof, die Verwandten Hamiltons zahlen ihr die Rente nicht mehr. Zum Schluss haust sie in einem elenden, feuchten Zimmer. Sie ist schwer krank, hat nur Horatia als Hilfe. Die letzten Wochen erleichtert ihr, auch finanziell, ein Arzt mit Namen Cadogan. Am 15. Januar 1815 stirbt Emma Hamilton, in ihrem 50. Jahr. Ihr Leichnam wird zweimal umgebettet, heute ist das Grab nicht mehr aufzufinden. 1918 stifteten britische Marineoffiziere, in Erinnerung an Lord Nelsons große Liebe, eine Gedenktafel für ihr Sterbehaus in Calais. Doch auch dieses ist längst verschwunden; im Zweiten Weltkrieg wurde es völlig zerstört.

(Doris Maurer: Eine Liebe unter dem Vesuv. In: Die Zeit Nr. 42 vom 13. Oktober 2005, S. 96.)
 


 
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