Thomas Gransow
Wolf-Ullrich Malm
 

Der Golf von Neapel
 

 Antike Städte am Golf
 

Abb. 1
Karte der Phlegräischen Felder

Stich aus dem 18. Jahrhundert.
In: Rolf Legler: Der Golf von Neapel. Köln: DuMont 1990. S. 26.
 

Text 1
Mythische Landschaft

Bereits in der komplexen Welt der griechischen Mythologie hatten die Gestade des Golfs von Neapel einen festen Platz. Auf ihren frühen Entdeckungsfahrten kreuzten die sagenhaften Helden auch durch die tyrrhenischen Gewässer und beobachteten die unbekannten Gefilde wahrscheinlich mit gespannter Aufmerksamkeit. Die bizarre Kraterlandschaft mit der merkwürdigen Rauchentwicklung muß ihnen dabei besonders aufgefallen sein; aktive vulkanische Oberflächenformationen waren ihnen vermutlich fremd. Die aus der heißen Erde aufsteigenden Dämpfe schienen nichts Gutes zu verheißen. Hatten sie gar die Unterwelt erreicht, das Totenreich des Hades, wo in ihrer mythologischen Phantasie die Schatten der Toten herrschten? Jedenfalls kam den griechischen Heroen diese vulkanisch geprägte Golfküste gespenstisch und unmenschlich vor. Sie gaben ihr den Namen „brennende Erde“, Campi flegrei (dt. Phlegräische Felder), und machten sie zum Aufenthaltsort der Titanen, der finsteren Söhne und Töchter der Erdmutter Gäa. Den Eingang zur Unterwelt erkannten sie gar in dem dunklen Kratersee Lago d'Averno, den kein Vogel lebend überqueren konnte, weil er vom sagenhaften Fluß der Unterwelt (Styx) gespeist wurde und giftige Dämpfe aufsteigen ließ. Nach seinen Irrfahrten durch das Mittelmeer betrat der Troja?Kämpfer Äneas hier erstmals italischen Boden, um von der Prophetin Sibylle sein Schicksal zu erfahren. Und aus den Homerischen Schriften erfahren wir, daß auch die Sirenen, diese unwiderstehlichen Fabelwesen, die nach der geglückten Durchfahrt des Odysseus den Tod fanden, an den sagenumwobenen Gestaden des Golfs beheimatet waren. 

(Michael Machatschek: Golf von Neapel. Erlangen: Michael Müller Verlag 1999. S. 14.)


 
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