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Bildfunktionen
Vier Grundfunktionen historischer
Bildlichkeit sind bei jedem historischen Bild in unterschiedlichem Maße
beteiligt.
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In Bildern können vergangene Wirklichkeiten
überdauern. Sie halten fest, was gewesen. Sie sind Existenzbezeugung,
Beweissicherung und Tatortfoto in einem. Sie halten aber nicht nur fest,
was einmal war, sondern auch, wie ein anderer es einmal gesehen hat.
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Bilder können Vergangenes und Fernes
vergegenwärtigen. Diese Funktion tritt am deutlichsten bei den "Bildnissen"
hervor. Portraits, mögen es adelige Ahnengalerien oder bürgerliche
Fotoalben sein, dienen nicht so sehr der Informationsweitergabe (bei manchen
historischen Portraits ist individuelle Ähnlichkeit auch gar nicht
beabsichtigt). Es geht vielmehr um die emotionelle Vergegenwärtigung
Toter und Abwesender. Ahnenstolz und Abstammungs- bezeugung, Verwandtschaftsgefühle
und Iden-tifikationen gehören zusammen.
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Bilder können die visuell wahrgenommene
Wirklichkeit verändern: Sie können sie korrigieren, verzerren,
verklären. Diese Funktion ist nicht an die malerische Technik gebunden.
Das geht mit dem "Objektiv" der Kamera vielleicht noch besser, weil da
die Vermutung, daß jemand "die Hand im Spiel" hatte, nicht sogleich
aufkommt.
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Indem Bilder aufbewahren, vergegenwärtigen
und verändern, deuten sie vergangene Wirklichkeit. Diese Deutungsfunktion
ist die komplexeste. Zu ihrer Interpretation müssen Bildinhalt, epochenspezifischer
Stil und Bildpragmatik auf das Geschichtsbewußtsein der vergangenen
Epoche bezogen werden.
(Hans-Jürgen Pandel: Bildlichkeit
und Geschichte: In: Geschichte lernen 1. Jg. (1988) H. 5, S. 10 - 18; hier
S.16.)
Bildinterpretation
Fragen zum Bildinhalt
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Welche Stimmung vermittelt das Bild?
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Welches Thema bzw. welchen Inhalt hat
der Künstler gewählt?
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Welche Gegenstände oder Einzelszenen
sind dargestellt?
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Wie sind diese Gegenstände oder
Szenen angeordnet (Vorder-, Mittel- oder Hintergrund, Bildrand usw.)?
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Lässt sich der Standpunkt des Künstlers
aus dem Bild erschließen? Welche Perspektive hat er gewählt?
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Wie groß ist seine räumliche
Nähe oder Distanz zu dem Bild?
Fragen zur Form des Bildes
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Wie ist das Bild aufgebaut?
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Welcher Ausschnitt bzw. welcher Raum
ist auf dem Bild dargestellt?
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Welche Linien oder Flächen werden
besonders betont?
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Wie wird die Farbe in dem Bild verwendet?
Fragen zum Bild als Gegenstand
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Welches Format hat das Original?
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Welches Material (z.B. Holz, Leinwand,
Papier) und welche künstlerische Technik (z.B. Ölmalerei, Holzschnitt,
Fresko) wurden verwendet?
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Für welchen Ort war das Bild ursprünglich
bestimmt (z.B. Kirche, Schloss, Rathaus, Buch-, Zeitschriftenillustration)?
Fragen zur Geschichtlichkeit
des Bildinhalts
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Welchen Bezug zur Geschichte enthält
das Bild? Zeigt es historische Personen, einzelne Ereignisse (z.B. eine
Schlacht) oder allgemeine Zustände (z.B. Sklaverei)?
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Will der Künstler die Wirklichkeit
zeigen oder Vorstellungen, Wünsche und Ängste von Menschen seiner
Zeit?
Fragen nach der Geschichtlichkeit
der Darstellung
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Was ist für einen heutigen Betrachter
scheinbar vertraut, was fremd?
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Erscheint die Darstellung eher realistisch,
verklärend oder verfälschend?
Fragen nach Produktion, Distribution
und Rezeption eines Bildes
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Was wissen wir über die Entstehung
des Bildes (z.B. Künstler und Auftraggeber, Entstehungszeit und -dauer,
Vorstudien, unterschiedliche Fassungen)?
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Wie groß ist der zeitliche Abstand
zwischen der dargestellten Zeit und der Entstehung des Bildes?
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Wie wurde das Bild dem Publikum vermittelt
bzw. in welcher Form wurde es verbreitet?
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Welche Wirkung hatte das Bild (zeitgenössische/spätere
Kritik durch Fachleute und Öffentlichkeit, Wirkung auf andere Künstler)?
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Wurde das Bild häufig reproduziert?
Wurde es dabei verändert oder verfremdet? In welchen Zusammenhängen
oder Medien erfolgte eine Reproduktion?
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Welches "Schicksal" hatte das Original?
Existiert es heute noch, wo befindet es sich?
Fragen nach dem Quellenwert
eines Bildes
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Ergreift der Künstler durch seine
Darstellung Partei?
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Lassen sich die Aussagen des Bildes
durch andere Quellen (Bilder, Texte, Gegenstände) bestätigen,
ergänzen, korrigieren oder widerlegen?
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Wird die historische Aussage auch durch
die Wahl des Bildes als Medium bestimmt? Ergibt sich durch die künstlerische
Darstellung eine besondere Wirkung?
(Elisabeth Erdmann: Bilder sehen lernen.
In: Praxis Geschichte 15. Jg. (2002) H. 2, S. 6 - 11; hier S. 11.) |