Fachmethoden Deutsch
 

Erzählende Texte analysieren
 
 

1. Profile von Erzählstrukturen entwickeln


Dieses Strukturprofil hilft bei der gezielten Analyse erzählender Texte. Wenn man das Profil öfter nutzt, erhält man allmählich ein Gespür für die Entscheidungsmöglichkeiten, die jeder erzählende Text grundsätzlich bietet.

 
Ich-Erzähler

personales Erzählverhalten
(auf die Sichtweise einer Figur beschränkt)

Nähe des Erzählers zum Geschehen

engagierter Erzähler

ausführliche Beschreibungen

atmosphärische Dichte (viel Zeit- und
Lokalkolorit, Milieudetails)

szenische Darstellung
(die Handlung entfaltend)

direkte Figurencharakterisierung
(durch Erzähler oder andere Figur, z. B.
Verwendung charakterisierender Adjektive)

vielschichtige Charaktere
(Vielzahl von Charaktereigenschaften)

Held 
(gelingendes Lebenskonzept)

inneres Geschehen
(Gedanken, Gefühle)

Bewusstseinsstrom (von innen)

wörtliche Rede

Einführung des Lesers ins Geschehen

Abschluss des Geschehens am Ende

einsträngige Handlung

linear fortschreitendes Erzählen

Einhaltung des synchronischen Ablaufs

Simultanhandlungen

zeitdehnendes Erzählen

kurzatmige Syntax

einfacher Satzbau

parataktischer Satzbau

direkt-realistische Darstellung

Umgangssprache

besonders stilistische Zuspitzung

Er-Erzähler

auktoriales Erzählverhalten
(allwissend)

Distanz des Erzählers zum Geschehen

neutral-nüchterner Erzähler

keine Beschreibungen

Verzicht auf zeitgeschichtliche Besonderheiten
(überzeitliche Darstellung)

Erzählbericht
(die Handlung knapp zusammenfassend)

indirekte Figurencharakterisierung
(aus dem Verhalten der Figur zu schließen,
Verzicht auf charakterisierende Adjektive)

flache Charaktere (Reduktion 
auf wenige auffällige Charaktereigenschaften)

Antiheld 
(scheiterndes oder diffuses Lebenskonzept)

äußeres Geschehen 
(Handlungen inkl. Gespräche)

Figurenrede (von außen)

indirekte Rede

unvermittelter (offener) Anfang

offenes Ende

mehrsträngige Handlung

alineares, episodisches Erzählen

Synchroniebrüche oder -sprünge

aufeinander folgende Handlungen

zeitraffendes Erzählen

endlos wirkende Syntax

komplizierter Satzbau

hypotaktischer Satzbau

indirekt-bildhafte Darstellung

ausgefeilte Schriftsprache

keine erkennbare Stilisierung


 
(Zusammengestellt nach: Gerd Brenner: Kurzprosa. Kreatives Schreiben und Textverstehen. Berlin: Cornelsen 2000. 3. Umschlagseite.)

 
Zurück zu:  Erzählende Texte interpretieren (Übersicht)