Fachmethoden Deutsch
 

Bauformen des Erzählens:
Zeitstruktur


I. Zeitraffung
(Verkürzung des Geschehens in der Erzählzeit)
    1. Sukzessive Raffung
    (chronologische Aneinanderreihung von einmaligen Begebenheiten)
    "Dann ... und dann ..."
    2. Iterative Raffung
    (Angabe einzelner, regelmäßig sich wiederholender Begebenheiten)
    "Immer wieder in dieser Zeit ..."
    3. Durative Raffung
    (Angabe einer allgemeinen, den ganzen Zeitraum überdauernden Gegebenheit)
    "Die ganze Zeit hindurch ..."


        Formen der Zeitraffung: a) Sprungraffung 
                                         b) Schrittraffung
 
 

II. Rückwendungen

Unterbrechung der fiktiv-gegenwärtigen Handlungsfolge und Einschub von Ereignissen, die sich in der "Vergangenheit" der Handlungsfiguren abgespielt haben, z. B. Kindheits- und Jugendgeschichte des Helden. Man unterscheidet:

  1. Vorzeithandlung

  2. Eigenständige, abgeschlossene Erzählung innerhalb eines Werkes, die vor der Haupt- bzw. Gegenwartshandlung liegt, z. B. bei einer Rahmenerzählung, in die die eigentliche Erzählung eingebettet ist.
  1. Rückwendung im engeren Sinne

  2. Erklärungen oder Ergänzungen der Gegenwartshandlung, meist auf eine Erzählphase begrenzt

    Formen der Rückwendung im engeren Sinne

    1. Aufbauende Rückwendung (nachgeholte Exposition): steht als zweite Erzählphase in Texten mit unmittelbarem oder szenischem Erzähleinsatz, der erst durch die aufbauende Rückwendung in den Geschehenszusammenhang eingeordnet werden kann.

    2. Auflösende Rückwendung: steht als vorletzte Erzählphase, in der ein bislang unklares, unvollständiges oder einseitiges Geschehen nochmals von Anfang an resümiert wird; z. B. werden im Detektivroman in einer auflösenden Rückwendung verbliebene Probleme, Spannungen und Rätsel aufgelöst.
    3. Eingeschobene Rückwendung: steht überall im Text:
        a) Rückschritt (holt die besondere "Geschichte" einer Person oder eines Gegenstandes nach)
        b) Rückgriff (verweist auf ein Faktum der Vergangenheit ohne eigenständige Handlung)
        c) Rückblick (einer Figur auf ihre Vergangenheit, "Lebensschau")
     


III. Vorausdeutungen

Vorausdeutungen nehmen einen späteren Punkt der Erzählchronologie vorweg oder deuten ihn an. 
Man unterscheidet:

  1. Zukunftsungewisse Vorausdeutungen

  2. Aussagen, Empfindungen usw. von Handlungsfiguren über ihre "Zukunft" in der erzählten Hand- lung, die den Erlebnishorizont der Figuren nicht durchbrechen
  1. Zukunftsgewisse Vorausdeutungen

  2. Ankündigungen des auktorialen oder Ich - Erzählers (für die aufgrund ihrer epischen Distanz die "Zukunft" der erzählten Handlung bereits Vergangenheit ist) von Ereignissen in der "Zukunft" der erzählten Handlung oder Aussagen des Erzählers über die "Zukunft" der Figuren

    Formen der Vorausdeutung
    a) Einführende Vorausdeutung: kündigt ein Ereignis, Thema usw. schon im Titel, im Vorwort oder am Erzählbeginn an

    b) Abschließende Vorausdeutung: weist in eine nicht mehr näher erzählte Zukunft: "... so leben sie noch heute ..."

    c) Eingeschobene Vorausdeutung: Bezieht sich auf den Verlauf oder Ausgang der Gesamt- erzählung bzw. einzelner Handlungsschritte, indem sie angedeutet oder angekündigt werden.