Fachmethoden Deutsch
Bauformen des Erzählens:
Formen der Erzählhaltung
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Es sind keine Einmischungen oder Wertungen des Erzählers zu erkennen. Es wird auch nicht aus dem Blickwinkel einer anwesenden Person berichtet. Gegenstands- und Personenbeschreibungen wirken sachlich; es wird über äußere Vorgänge berichtet. Innere Vorgänge der Figuren werden nur, soweit sie äußerlich erkennbar sind, geschildert. Dialoge und alle Äußerungen der Personen werden wörtlich wiedergegeben („Personenrede“). Der Leser kann die Illusion entwickeln, das Geschehen mitzuerleben. Eine Sonderform des neutralen Erzählens stellt das personale Erzählen dar. Es wird aus dem Blickwinkel einer Person erzählt, die allerdings nicht als „Ich“ erscheint. In allen anderen Merkmalen gleicht es dem neutralen Erzählen. Diese Form tritt häufig im Wechsel mit anderen Erzählhaltungen auf. Wird nacheinander, in der Regel in verschiedenen Kapiteln - nicht gleichzeitig (vgl. auktoriales Erzählen) -, aus der Sicht jeweils einen anderen Figur erzählt, spricht man von perspektivischem Erzählen. Bei dieser Erzählhaltung hat der Autor zur Organisation des Erzählprozesses die „Allwissenheit“ gewählt. Souverän überblickt er Handlungsraum und -zeit, Inneres und Äußeres der Personen. Der Autor gibt seine Vermittler- und Erzählerrolle deutlich zu erkennen: Die Äußerungen der Personen erscheinen in „Auswahl“ und Raffung häufig in der Form der indirekten Rede. Die auktoriale Erzählhaltung äußert sich besonders darin, daß der Erzähler innere Vorgänge, Gedanken und Empfindungen der Personen wiedergibt. Zu erkennen ist sie an der Verwendung von „Verben der inneren Vorgänge“ (fühlen, denken, glauben, wissen). Innere Vorgänge können außer in Berichtform (er dachte ...) auch in der „erlebten Rede“ wiedergegeben werden. Mit dem Mittel der erlebten Rede können Gedanken, besonders affektgeladene Empfindungen, z. B. der Unsicherheit und des Zweifels, ausgedruckt werden. Sie steht immer in der 3. Person des Indikativs und Präteritums, grammatisch damit zwischen direkter und indirekter Rede. Sie bleibt also Ausweis einer allwissenden Erzählhaltung, beteiligt aber den Leser gefühlsmäßig an bestimmten Situationen. Es ist für den Leser häufig schwer zu unterscheiden, ob Erzählerbericht oder Personenrede vorliegt. Von daher wird die Perspektive der Allwissenheit im Bewußtsein des Lesers wieder eingeschränkt. Als Beispiel folgende Situation: Ein Mann befindet sich in einer ziemlich aussichtslosen Lage. Schon stundenlang irrt er ziellos durch die Stadt. Was sollte er tun? An wen sich wen-den? Konnte er jemandem vertrauen? (Als Gegenbeispiel könnte man eine ähnliche Situa-tion auktorial und neutral erzählen.) Beim auktorialen Erzählen gibt
der Erzähler in Vorausdeutungen bzw. Anspielungen und Rückwendungen
einen Oberblick über die (von ihm erfundene) Geschichte. Außerdem
mischt er sich mit Anreden an den Leser oder an die erfundenen Personen
in das Erzählte ein.
Das Ich-Erzählen Diese Erzählhaltung weicht von den beiden anderen dadurch ab, daß der Erzähler hier als eine erkennbar individuelle Person unter anderen Personen in Erscheinung tritt. Er berichtet eigene Erlebnisse. Die Perspektive ist also notwendigerweise eingeschränkter, subjektiver als bei den Erzählern der neutralen oder auktorialen Form. Innere Vorgänge anderer Personen können kaum wiedergegeben, nur aus äußeren Vorgängen erschlossen werden. Der Erzählanlaß wird häufig so konstruiert, daß eine Notwendigkeit für ein rückblickendes Erzählen aus der Vergangenheit des Erzählers aufgezeigt wird. In der Situation des rückblickenden Erzählens lassen sich nicht selten zwei „Ichs“ unterscheiden: das Ich, das in der Vergangenheit die berichteten Vorgänge erlebt hat, und das die früheren Erlebnisse berichtende Ich. Manchmal besteht zwischen beiden eine Spannung (z. B.: Der gealterte, weise Mensch beurteilt seine Jugendsünden), die die Struktur der Erzählung bildet. (Uta Wernicke: Literaturerfahrungen.
6. Aufl. Hamburg: Handwerk & Technik 1980. S. 65f.)
Außensicht - Innensicht Außensicht:
Innensicht:
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Arbeitsblatt
Erzählhaltungen
| Kriterien |
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| Erzähler | Allwissenheit des Erzählers | Abwesenheit des Erzählers | Aus der Perspek- tive einer Figur | Ich als rückbli- ckender Erzähler | Ich als Handlungs- figur |
| Merkmale des Erzählerberichts | . | . | . | . | . |
| Personencharak-
terisierung |
. | . | . | . | . |
| Darstellung inne- rer Vorgänge | . | . | . | . | . |
| Formen der Personenrede | . | . | . | . | . |
| Leserbezug | . | . | . | . | . |
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