Fachmethoden
Geschichte
Interpretation
von Banknoten
2. Der "Blaue Hunderter"
Einleitung
| "Der 100-Mark-Schein hatte seit
der Reichsgründung (100 Mark, Rentenmark, Reichsmark, DM) meist die
blaue Farbe. Die volkstümliche Bezeichnung »Blauer Hunderter«
bezieht sich jedoch hauptsächlich auf die während der Kaiserzeit
ausgegebenen 100-Markscheine (häufig mit Datum 7.2.1908)." (Rittmann)
Die Erstausgabe des »Blauen Hunderters« erfolgte am 7. Februar
1908; die Geldscheine wurden endgültig erst am 5. Juni 1925 aus dem
Verkehr gezogen.
"Selten gab es einen mit Bildern
und Symbolen so überladenen Geldschein wie den blauen Hunderter von
1908. [...] Auf einer Fläche von 207 zu 112 Millimeter enthielt er
nicht nur rote Seriennummern, Wertangabe und Wasserzeichen, sondern auch
[...] ein politisches Programm. [...] Im Ganzen war dies weniger Kunst
als eine Tour de force von Herrschaftszeichen, Bekundungen sozialen Harmoniestrebens
und militärischer Kraftsymbolik. Letztere drängte sich - im Gegensatz
zu früheren Geldscheinen, auf welchen Germania noch unbewaffnet erschien
- so unübersehbar in den Vordergrund, dass der Betrachter nicht umhin
konnte, sich des Schlachtflottenbaus und der Einkreisungsängste zu
erinnern, an das Kanzlerwort vom »Platz an der Sonne« und das
Kaiserwort von der »schimmernden Wehr«. Der blaue Hunderter
zeigte in Wahrheit ein Niemandsland: Beschwörung einer sozialen Harmonie
der Klassen und Gruppen, die es nicht gab, und Erinnerungen an eine militärische
Sicherheit, die längst verloren war." (Stürmer)
Vorderseite |
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| Die Vorderseite zeigt - außer
der mehrfach wiederholten Wertangabe in Worten und Zahlen sowie der Bezeichnung
"Reichsbanknote" - links den Merkurkopf (Hinweis auf den Handel) und rechts
den Ceres- kopf (Landwirtschaft). Unter den beiden Köpfen hält
ist jeweils ein nach links bzw. rechts aus dem Bild schauender Adler mit
einem Schild mit der Zahl 100 zu erkennen. In den beiden unteren Ecken
befindet sich der Hinweis: "Wer Banknoten nachmacht oder verfälscht,
oder nachgemachte oder verfälschte sich verschafft und in Verkehr
bringt, wird mit Zuchthaus nicht unter zwei Jahren bestraft."
Den Hintergrund des mittleren Feldes bildet die Reichskrone, unter der sich Schwert und Szepter kreuzen. Über deren Kreuzungspunkt ist der Reichsapfel zu erkennen. Umrahmt werden die Reichs- insignien (die stark stilisiert dargestellt sind und im Detail nicht den Originalen entsprechen) von einem doppelten Siegessymbol (vgl. Rückseite): rechts von einem Lorbeerzweig und links von einem Eichen- zweig, deren untere Stiele durch ein Band in einer Schleife verknüpft sind. Vom Bildmittelpunkt, also von dort, wo sich Krone, Apfel, Schwert und Szepter fast berühren, gehen 30 Strahlen rundherum nach außen und bilden eine Art Aureole. Auf diesem Hintergrund befindet sich - in unterschiedlicher Schriftgröße - die Aufschrift: "Ein Hundert Mark zahlt die Reichsbankhauptkasse in Berlin ohne Legitimationsprüfung dem Einlieferer dieser Bank- note. Berlin, den 21. April 1910. Reichsbankdirektorium." Darunter befinden sich, eingerahmt von zwei Siegeln des Reichsbankdirektoriums, zehn Unterschriften. Hält man den Geldschein gegen
das Licht, kann man im linken freien Feld (auf der Rückseite im rechten
freien Feld spiegelbildlich) das Porträt Kaiser Wilhelms I. und die
Zahl 100 als Wasserzeichen erkennen.
Rückseite |
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| Die Rückseite zeigt rechts
eine sitzende, lorbeergeschmückte und mit einem Brustpanzer und einem
lang herabfallenden Gewand gekleidete Germania mit Reichskrone und Krönungsmantel
(mit Reichs- adler), die sich auf einen Schild (ebenfalls mit Reichsadler)
stützt und in der rechten Hand ein Schwert hält, das ein Stück
aus der Scheide gezogen ist. Als Symbol für nationale Einheit fand
die Germania nach dem deutsch-französischen Krieg von 1870/71, als
sie auf zahlreichen Sieges- und Kriegsdenkmälern plastisch dargestellt
wurde, ihre größte Verbreitung.
Die Bildmitte nehmen zwei mächtige (deutsche) Eichenstämme mit ausladenden, beschützenden Ästen und starkem Wurzelwerk ein. Die Eiche, bei den Germanen dem obersten Gott Donar geweiht, galt als Sinnbild der Stärke; im 18. Jahrhundert wurde sie in Deutschland zum Symbol des Helden- tums. Seit dem frühen 19. Jahrhundert gilt Eichenlaub als Siegeslorbeer (vgl. Vorderseite) Im Vordergrund auf der linken Seite befinden sich ein Pflug mit eiserner Pflugschar (Symbol der Landwirtschaft), ein Amboss mit Schmiedehammer (Schwerindustrie), ein Zahnrad (Feinmechanik) und ein Warenballen (Handel), an den der Heroldsstab des Merkur (erkennbar an den beiden sich um den Stab windenden Schlangen) lehnt. Damit wird zugleich deutlich, dass die genannten Gegenstände keine dekorative, sondern eine symbolische Funktion haben. Dahinter sind (als Hinweis auf die Flottenrüstung) drei Großkampfschiffe in Kiellinie zu erkennen, die auf das hohe Meer hinausfahren. (Zusammengestellt nach: Metzler aktuell
(Juli 2001) und Brockhaus Enzyklopädie)
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