Thomas Gransow
Athen und die Halbinsel
Attika
10. Aegina
10.1. Die Insel
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Ägina Im Saronischen Golf liegt die Insel
Ägina. Ein schwimmendes Dreieck im tiefblauen Meer. Im Norden und
im Südosten zum offenen Meer hin, ist die Küste unwirtlich. Der
Urahne Aiakos soll Klippen in die Ufer geschlagen haben, um die Insel vor
Seeräubern zu schützen. Und im Norden macht der starke Nordwind
zu schaffen. Im Westen, wo sich Land und Meer verbinden, liegt die moderne
Stadt Ägina, auf antikem Häusergrund. Die Stadt schaut aufs Meer
und zu den nahen Küsten der Peloponnes. Die Gassen eilen auf die Uferstraße
zu, wo rund um den Hafen sich das Leben abspielt. Die Geschichte Äginas
beginnt nicht hier, sondern auf einem nahe gelegenen, etwa 6400 m²
großen, flachen Felsenhügel, der mit seiner Spitze ins Meer
stößt und die Strandzone teilt, in eine in das Land eingeschnittene
nördliche Bucht; gegen Süden dehnt sich eine Ebene bis zur Südspitze
der Insel, frei zum Meer. Im Osten des Hügels fasst ein niedriger
Hang im Halbrund eine Mulde ein [...], dann steigt die Landschaft an, um
im Oros, dem heiligen Berg des Zeus, zu gipfeln.
Text 2
Aufgrund seiner zentralen Lage im Saronischen Golf besaß Ägina lange vor Athen eine ganz ungewöhnliche Bedeutung. Dass die Insel schon in neolithischer Zeit (um 3500 v. Chr.) besiedelt war, konnte durch die neuesten Grabungen von Hans Walter nachgewiesen werden. Ägina, im Schnittpunkt zwischen Kreta, den Kykladen und dem griechischen Mutterland gelegen, wurde fast zwangsläufig zu einem erstrangigen Handelsplatz. Zu eigener Produktivität, zu weit ausgreifender Herrschaft, war die Insel zu klein. Doch als Umschlagplatz zwischen den größeren Mächten und Kulturen, im Austausch der Waren und im Vermitteln der Wege, Kenntnisse und Gelder, war sie bedeutend. Etwa ab 1800 v. Chr. wird für
uns die Rolle Äginas als Handelsplatz historisch greifbar. Um 650
v. Chr. erlebt die Insel ihren Höhepunkt. Ihr Fernhandel reicht bis
nach Ägypten und an die Küsten des Schwarzen Meeres. Doch auch
nach Westen richtet sich der Blick, wo man aus Spanien das begehrte Silber
einführte und so den Reichtum der Insel und seiner Kaufmannschaft
begründete.
Als im 5. Jahrhundert v. Chr. auch
Ägina in die Einflusssphäre des sich immer mehr ausbreitenden
Perserreiches geriet, stellten die Ägineten fast zwangsläufig
ihre Handelsinteressen an die erste Stelle und waren eher bereit, sich
Persien zu unterwerfen als sich auf einen bewaffneten Konflikt mit der
Großmacht einzulassen, den zu bestehen sie auch gar nicht in der
Lage gewesen wären, da sie nie über eine starke Kriegsflotte
verfügten. Diese perserfreundliche Haltung brachte sie aber notwendigerweise
in einen Gegensatz zu Athen. Im Augenblick der größten Gefahr,
als 480 v. Chr. die Perser schon Athen besetzt und die Akropolis zerstört
hatten, haben sich die Ägineten in der Schlacht von Salamis dann doch
auf die Seite der Griechen gestellt und durch ihre reiche See?Erfahrung
zum günstigen Ausgang des ungleichen Kampfes wesentlich beigetragen.
Athen hat es ihnen allerdings wenig gedankt. Denn selbst zu einer Seemacht
aufgestiegen, sah man in Ägina nur noch den Konkurrenten, der beseitigt
werden musste. Um 460 v. Chr. hat daher Athen die äginetische Flotte
kurzerhand überfallen und durch eine längere Blockade die Insel
zur Kapitulation gezwungen. Um aber Ägina auch wirtschaftlich in die
Knie zu zwingen, wurden ihm Tributlasten auferlegt, an denen es zugrunde
gehen musste. 431 v. Chr. wird es eine attische Kolonie.
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