|
1. Allgemeines
Für die Wiedergabe eines Textes
bieten sich zwei Möglichkeiten an: die Inhaltsangabe und die strukturierte
Textwiedergabe. Beide intendieren, eine Textvorlage objektiv zu kürzen,
sachliche Information über einen Text zu liefern.
Die Auswahlkriterien beim Kürzen
und die Kürze selber hängen u. a. ab
-
vom Inhalt, dessen Umfang, Komplexität
und Schwierigkeit,
-
von den Adressaten (den Hörern
bzw. Lesern), deren Informationsstand und kognitiver Leistungsfähigkeit
sowie
-
dem Verwendungszweck der Kurzfassung
(z. B. im Rahmen einer Klausur als einleitende Überblicksinformation
für eine umfangreiche Textanalyse, im Rahmen einer Rezension als ausführliche
Information u. ä.).
Texte zusammenfassen zu können,
-
setzt volles Verstehen des Textes voraus,
-
fordert, den Inhalt richtig und vollständig
so komprimieren und
-
sprachlich in einem Maße auf Relevanz
reduziert wiedergeben zu können,
dass Leser bei und trotz solch weitgehender
Beschränkung mit der Kurzfassung, einer jeweiligen Anforderung entsprechend,
jederzeit handeln können.
2. Der Basissatz
Der Basissatz (der erste Satz einer
Inhaltsangabe bzw. einer strukturierten Textwiedergabe) drückt den
inhaltlichen Kern (das Thema, die Problematik) eines Textes in einem Satz
aus. Er enthält darüber hinaus Informationen zu
-
Name des Verfassers
-
Titel
-
Textsorte
-
Entstehungszeit, ggf. -ort
-
Ggf. Zeit und Ort der Handlung (bei
literarischen Texten)
Mustersatz:
Der/Die/Das [Jahr] entstandene [Textsorte]
[Titel] von [Name des Verfassers], der/die/ das [Zeitangabe] in [Ortsangabe]
spielt, handelt von [Inhaltskern].
Der Basissatz ist nicht zu verstehen
als eine vorgezogene, äußerst knappe Interpretation des Themas,
ggf. der Überschrift. Er komprimiert das Ausgeführte, Dargelegte,
im Text Ausgebreitete in einen Satz, der basale Funktion bekommt. Wir können
so sagen: Der Basissatz faßt die Aussage eines Textes, die Darstellung
des Kernproblems - als Basis und Ergebnis zugleich in einem Satz zusammen.
3. Zusammenfassung literarischer
Texte:
Die Inhaltsangabe
Merkmale
-
Der Basissatz ist die Einleitung der
Inhaltsangabe.
-
Die informiert ihrer Tendenz nach objektiv
über eine Textvorlage.
-
Der Text muß selbständig,
zusammenhängend und lesbar sein.
-
Die rhetorische Form des Textes ist
weitgehend umzugestalten. Die Handlung (auch die Vorgeschichte z. B. eines
Dramas) wird chronologisch dargestellt.
-
Die Länge der Inhaltsangabe kann
nicht festgelegt werden (vgl. Inhaltsangaben von Romanen!).
-
Der Stil der Vorlage wird nicht aufgenommen.
-
Die Übernahme interpretierender
und wertender Elemente ist umstritten, aber in den meisten Fällen
nicht ganz vermeidbar, vor allem dann, wenn es sich um die Wiedergabe umfangreicher
Vorlagen auf engem Raum handelt.
-
Nebensächliche Handlungen, ausführliche
Beschreibungen, nebensächliche Personen und Einzelheiten, die nicht
entscheidend sind, entfallen.
-
Das Tempus ist das Präsens, der
Modus der Indikativ.
-
Wörtliche Rede entfällt. Sollte
ohne sie die Handlung nicht darzustellen sein, wird die indirekte Rede
verwendet (Konjunktiv beachten!).
-
Im Schlussteil wird auf die Form des
Textes und die Absicht des Autors eingegangen.
4. Zusammenfassung von Sachtexten:
Die strukturierte Textwiedergabe
Ausgangspunkt dieser Art des Zusammenfassens
ist der vorgegebene Text, Mittelpunkt aber der Gedankengang des Verfassers.
Es gilt zu untersuchen, welche Gedanken den Autor veranlaßten, so
und nicht anders zu formulieren, die Gedanken- und Handlungsfolge des Textes
so und nicht anders zu ordnen. Der Weg der Untersuchung kann nur über
den Text führen. Der Gedankengang, der die Umsetzung der Vorstellung
in Sprache bestimmt, hat seine Darstellung in der Gedankenfolge des Textes
gefunden. Ziel und Ergebnis der strukturierten Textwiedergabe ist die Wiedergabe
der Denk- und Handlungsstruktur des Textes (und z. B. nicht die Wiedergabe
des Inhalts!).
Merkmale:
-
Der Basissatz ist die Einleitung der
strukturierten Textwiedergabe.
-
Die Textwiedergabe referiert alle wesentlichen
Gedanken der Vorlage, ohne deren Bedeutung zu verändern und ohne zu
interpretieren.
-
Die Zusammenfassung muß einen
selbständigen, zusammenhängenden und lesbaren Text ergeben.
-
Rhetorische Figuren sind sprachlich
umzuformen, Vergleiche und Bilder, die zum Textverständnis nicht notwendig
erscheinen, müssen ausgeschieden werden.
-
Der Modus ist der Konjunktiv. (Bei Texten
über historische Themen Zeitform beachten!)
-
Es geht darum, Inhalte und Zusammenhänge
logisch darzustellen und so aufzubauen, dass innerhalb kognitiver Strukturen
oder emotionaler Strategien die einzelnen Aussagen des Textes ihren bestimmten
Stellenwert haben.
Wiedergabe kognitiver Strukturen
Wir greifen damit aus einer Reihe
von Strukturformen solche heraus, die ihre Anwen-dung z. B. in kognitiven
oder informativen Texten finden. Es geht darum, Inhalte und Zusammenhänge
logisch darzustellen und aufzubauen. Logische Regeln finden eine ent-sprechende
Anwendung und bedingen einen bestimmten „Gedankenplan“, eine „Gedan-kenstrategie“,
innerhalb derer die einzelnen Aussagen des Textes ihren bestimmten Stellenwert
haben. Auf kognitive oder informative Texte bezogen könnten folgende
„lo-gische Strukturen“ unterschieden werden:
-
eine Feststellung treffen - den Inhalt
der Feststellung erläutern und verständlich machen - die Richtigkeit
der Feststellung kausal-logisch begründen - mit Beispielen belegen
- Folgerungen ziehen - Grundlagen schaffen für eine darauf bauende,
fortsetzende logische Reihe;
-
eine Behauptung aufstellen - die Behauptung
(nach Inhalt und Zusammenhängen) erläutern und analysieren -
die Wahrheit der These beweisen - adäquate, schlagende Beweise führen
- Urteile fällen oder zitieren - Vergleiche ziehen -Bewertungen vornehmen;
-
Verhalten beurteilen - Verhalten nach
bestimmten Kriterien beobachten - Verhaltensweisen entsprechend unterscheiden,
vergleichen, bewerten - ein Urteil fällen;
-
einen Sachverhalt erörtern - vergleichbare,
objektiv feststellbare Größen setzen, erkennen, darstellen -
die Größen einander gegenüberstellen und analysieren -
Vergleiche ziehen und Größen in ihrer jeweiligen Besonderheit
unterscheiden.
Wiedergabe emotionaler Strukturen
Texte appellativer, narrativer und
ästhetisch-kreativer Art sprechen die „Tiefenperson“ des Menschen
an, seine Gefühle, Triebe, Wünsche, Affekte, Dränge u. a.,
um auf diese Weise zu wirken und Wirkung zu erzielen. Diesbezügliche
Äußerungen in obigen Texten haben jeweils ihren Stellenwert
in der angewandten emotionalen „Strategie“.
Folgende Elemente solcher „emotionaler
Regelsysteme“ könnten unter schieden werden:
-
Offene und/oder verdeckte Ansprache
der Tiefenperson - Aufwerten der Person - befriedigen - anerkennen - bewerten;
-
achten - beachten -aufnehmen - zuwenden
- reagieren;
-
werten - bewerten - bevorzugen -verstärken;
-
aufwerten - steigern - einstufen - höherstufen
- überbewerten;
-
aufrufen - motivieren - aktivieren;
-
anpassen - einordnen - internalisieren
- identifizieren;
-
Selbstbestätigung - höherer
Erwartungsgrad - Euphorie - tiefste Enttäuschung.
(Zusammengestellt nach: Hans
Schwackenhofer: Sprache und Ausdruck. Arbeitsbuch für den Deutschunterricht
in Sekundarstufe II. Paderborn 1977. S. 84f. - Martin Vor-hauer u. a.:
Inhaltsangabe. München: Oldenbourg 1996. S. 13, 24, 38, 44. - Alfons
Brendel: Textanalysen II. Untersuchung von Texten. München: Manz 1984.
S. 90 - 93 u. 117 - 123.)
|