Arbeitstechniken
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Sofern Randbemerkungen nur das Ergebnis spontaner Reaktionen beim Lesen sind, sind sie nahezu wertlos. Bemerkungen wie "Toll!" oder "Oha!" oder ein dickes "!" bzw. "?" haben bestenfalls kurzfristigen, jedoch kaum langfristigen Wert, weil man später oft nicht mehr weiß, was man denn da "toll" oder sonstwie bemerkenswert gefunden hatte. Wollen Sie die Ränder für Kommentare nutzen, dann sollten Sie systematisch vorgehen. Das empfiehlt sich erst recht, wenn Sie beispielsweise bevorzugt mit nicht-sprachlichen Zeichen arbeiten. Natürlich ist auch dieses nur sinnvoll, wenn Sie es konsequent und kontinuierlich anwenden. Arbeiten Sie hingegen bevorzugt mit sprachlichen Randbemerkungen, so bieten sich zwei Verfahren an:
und
Für ein effektives Lesen empfiehlt es sich, den Text inhaltlich zu gliedern, d. h. den Rand mit Begriffen zu versehen, die den Text inhaltlich erschließen, also die von einem Text ablesbare inhaltliche Struktur am Rand hervorzuheben. Wie geht man dabei vor? (a) Zunächst kann man sich einmal an äußeren Struktur-Merkmalen orientieren. Dazu gehört neben den Überschriften die kleinste Struktur-Einheit eines Textes: der Absatz. Otto Schumann formuliert folgende Anforderungen an einen Absatz: "Als die in Schrift und Druck deutlich voneinander unterscheidbaren Absätze eingeführt wurden, dienten sie zunächst, nur' der Erleichterung beim Lesen. Sie entwickelten sich dann schnell zu Kleinorganismen, die dem gleichen Pulsschlag gehorchen wie der Gesamtorganismus. (..) Der Absatz ist nicht lediglich eine Folge von mehreren Sätzen (..) Der wissenschaftlich einwandfreie, zugleich echt gestaltete Absatz zeichnet sich vielmehr dadurch aus, daß 1. die in jedem Absatz zusammengeschlossenen Einzelsätze stofflich und logisch aufeinander bezogen sind, 2. die Sätze eines Absatzes gemeinsam nur einen Kerngedanken entwickeln, 3. die Sätze diesen Gedanken vollständig darstellen, 4. der Absatz gedanklich folgerichtig in die übrigen Absätze einschwingt 5. der Absatz durch erkennbare Gelenke mit dem vorangehenden und dem nachfolgenden Absatz sorgsam verbunden ist." (b) Nun sind Anforderungen und Konventionen eine Sache, ob man als Autor solchen Anforderungen genügt, eine andere. Gehen wir einmal davon aus, ein Absatz enthielte einen, höchstens zwei Kerngedanken. (c) Man liest also Absatz für Absatz und versucht, deren Inhalt bzw. Kerngedanken zu begreifen. (d) Jeder Absatz sollte mit mindestens
einem inhaltlichen Leitwort versehen werden. Bei solchen Leitwörtern
kann es sich entweder um Wörter aus dem Text (Stichwörter)
oder um selbstgewählte Begriffe (Schlagwörter) handeln.
Diese Form der Texterschließung fungiert wie ein externes Gedächtnis
und bietet daher den Vorzug, daß die beim Lesen investierte Energie/Arbeit
nicht so schnell verloren geht. Ist es also notwendig, auf den Text nach
längerer Zeit erneut zurückzugreifen, so ermöglichen die
Leitwörter eine rasche inhaltliche Orientierung.
2.2. Das logische (argumentative) Gliedern Oft stellt sich bei dem Versuch, die inhaltliche Gliederung zu entnehmen, heraus, daß es schwierig ist, festzustellen, bis wohin eine Textpassage überhaupt reicht, um deren Inhalt es geht. Die Erschließung der formalen Struktur des Textes (Einleitung, Schluß, Zahl der Kapitel und der Absätze, Aufzählungen wie "erstens", "zweitens" oder "einerseits - andererseits" usw.) nennt man im Unterschied zur inhaltlichen Gliederung die logische oder argumentative Gliederung eines Textes. Es ist bei der oft spontanen Struktur vieler Texte nützlich (bei vielen unentbehrlich), diese logische Gliederung eines Textes zu rekonstruieren. Oft stellt man erst dann fest, daß bestimmte Aussagen, die man für eine Auffassung des Verfassers gehalten hat, in Wirklichkeit kritisch gemeint sind oder daß andere Aussagen eigentlich nur Beispiele sein sollten usw. Auch für dieses Verfahren empfiehlt es sich, Randbemerkungen anzubringen, die die logisch- argumentative Struktur des Textes kennzeichnen. Im Unterschied zu den inhaltlichen Leitwörtern des ersten Verfahrens benutzt man jedoch bei diesem Verfahren zweckmäßigerweise metasprachliche Begriffe wie "Fragestellung", "Beispiel", "Kernthese", "Schlußfolgerungen" usw., die nichts über den Inhalt, wohl aber zur Struktur des Textes aussagen. Eine ganze Liste metasprachlicher Begriffe hat Gerhard Steindorf zusammengestellt: Abgrenzung
Adressat Aktualität
Analyse Anliegen
Ansatz Anwendung
Art Aspekt Aufbau
Aufgabe Ausführung
Aussage Basis
Bedeutung Bedingung Befund
Begriff Begründung
Beispiel Beitrag
Besonderes Bestimmung
Beurteilung Beweis
Beziehung Bilanz
Charakteristik Daten
Denkansatz
Solche metasprachlichen Hinweise benutzen Autoren auch, um ihre Texte (sich und anderen) verständlicher zu machen. Wir zitieren einige Beispiele solcher metasprachlichen Hinweise und machen daneben auf ihre Funktion aufmerksam. Beispiel "Im folgenden will ich mich mit der
Frage befassen ..." : Thema
(Joachim Stary, Horst Kretschmer: Umgang mit wissenschaftlicher Literatur. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft 1999. S. 106ff.) |
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