Arbeitstechniken
Informationsbearbeitung
Probleme erörtern
| Die Zielsetzung der Erörterung:
Erörtern heißt, zu einer Problemstellung abwägend, also von verschiedenen Seiten betrachtend, Stellung zu nehmen. Das zu erörternde Problem wird häufig als eine Entscheidungsfrage formuliert, zu der sich stets zwei Thesen bilden lassen, die als Gegensatz dastehen. Die eine These ist somit immer das Gegenteil der anderen. Zur deutlichen Unterscheidung spricht man von These und Gegenthese (Antithese). In der These drückt sich
der Standpunkt (die Position) aus, die man zu einer Entscheidungsfrage
selbst einnimmt. Die gegenteilige Einstellung wird dann als Gegenthese
bezeichnet. Der Standpunkt, für den man sich entschieden hat, ist
zugleich das Argumentationsziel. Die einzelnen Begründungen, die man
zur Stützung der These und Gegenthese anführt, werden Argumente
genannt.
1. Thesen und Antithesen formulieren Eine These ist eine Behauptung bzw.
Aussage, die mit der sich anschließenden Argumentation bewiesen werden
soll. Sie kann als Tatsachenbehauptung, Vorschlag bzw. Anregung oder Forderung
formuliert sein. Gründe, die eine These bzw. Antithese stützen,
nennt man Argumente.
2. Argumente auswählen Um die These wirksam zu stützen,
sollten aussagekräftige und thesenbezogene Argumente ausgewählt
werden, sie dürfen nicht unsachlich formuliert sein oder auf rein
subjektiven Erfahrungen beruhen, die nicht allgemeingültig sind.
3. Argumente formulieren Ein Argument besteht aus der These (bzw. Antithese), dem eigentlichen Argument, dem Beweis und der Veranschaulichung durch ein Beispiel. Die argumentationsstützenden Beweise lassen sich folgendermaßen klassifizieren:
Beispiele sind also konkrete Einzelfälle,
die dazu dienen, das Argument durch wirkliche Ereignisse oder Erfahrungen
abzusichern. Ein bloßes Beispiel kann folglich einen Beweis nicht
ersetzen. Eine ähnliche Funktion erfüllen auch Belege
(statistische Erhebungen, Umfrageergebnisse, vergleichbare historische
Entwicklungen), sofern sie zur Verfügung stehen.
4. Eine Gliederung entwerfen In der Regel empfiehlt es sich, innerhalb einer Argumentationsreihe die Argumente steigernd anzuordnen (das gewichtigste Argument als letztes); das steigert die Überzeugungskraft der gesamten Argumentation. Bei der Anordnung der Argumente sollte beachtet werden, daß sie in einem sinnvollen inhaltlichen Zusammenhang stehen. Das erleichtert später das Schreiben einer zusammenhängenden Ausführung. Es gibt zwei Möglichkeiten, den Hauptteil zu gliedern: |
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| 6. Eine Einleitung schreiben
Die Einleitung hat die Aufgabe, das eigene Interesse am Thema zu begründen und die Aufmerksamkeit des Lesers zu wecken. Dies kann auf unterschiedliche Weise erreicht werden, z. B.
(Hier dürfen keine Argumente oder Beispiele, die in den Hauptteil gehören, vorweggenommen werden.) 7. Im Hauptteil zusammenhängend und sprachlich angemessen argumentieren Um eine Argumentation wirklich überzeugend zu gestalten, ist es nötig, die einzelnen Argumente zu einer zusammenhängenden und gedanklich geschlossenen Argumentation zu verbinden. Eine auch sprachlich zusammenhängende Argumentation entsteht durch die Verwendung von Verknüpfungswörtern, sprachlichen Wendungen zur Verknüpfung und durch das Herstellen von Rückbezügen zum Thema. Um eine Argumentation für jeden Leser überzeugend zu gestalten, ist ein sachlicher Stil wichtig. Umgangssprachliche Wendungen und polemisch-wertende Formulierungen sollten vermieden werden; die Darstellung des Sachverhalts sollte auch sprachlich objektiv sein. Es wirkt abwechslungsreicher, wenn
nicht alle Argumente nach dem gleichen gedanklichen Muster formuliert werden.
Die deduktive Argumentationsstruktur (Reihenfolge: These
- Argument - Beweis - Beispiel) kann durch das induktive Verfahren
ergänzt werden: Ausgangspunkt ist hier das individuelle Beispiel;
anschließend wird ausgeführt, was dieses beweist. Dann wird
als Schlussfolgerung das Argument angeführt und auf die These
bezogen.
8. Im Hauptteil zwischen These und Antithese abwägen (Synthese) Die Hauptaufgabe bei einer dialektischen Erörterung ist es, nachdem mögliche Argumente für die These und die Antithese ausgeführt wurden, in einer möglichst objektiv abwägenden Weise in der Synthese zu einem begründeten Ergebnis zu kommen. Dabei ist zu beachten, daß
hier logischerweise die These nicht einfach wiederholt werden kann: Die
Argumente der Antithese (Gegenthese) müssen entsprechend berücksichtigt
und gewürdigt werden. Dies kann in Form eines Kompromisses geschehen,
es ist jedoch auch möglich, daß die Position, die man eher unterstützt
(im Sinne des Steigerungsprinzips: die These) zumindest relativiert wird)
9. Den Schluß schreiben Nachdem die Themafrage in der Synthese beantwortet wurde, rundet der Schluß den Gedankengang der Erörterung ab. Dies kann geschehen, indem z. B.
10. Zusammenfassung: Aufbau: Eine Erörterung gliedert sich stets in drei Hauptteile: A. Einleitung:
B. Hauptteil:
C. Schluß (Abrundung des Themas,
Ausklang)
Gliederung: Die Gliederung und somit auch der ganze Aufsatz sollte steigernd aufgebaut sein. Auch bei der dialektischen Erörterung ist darauf zu achten, daß zwischen These und Antithese ein Steigerungsverhältnis besteht (das hängt vom Inhalt der Synthese ab: Die These sollte die Position sein, die in der Synthese stärker befürwortet wird). Die Gliederung sollte vollständig ausgeführt werden, d. h., zu ihr gehören nicht nur die Argumente, sondern auch Einleitung, Themafrage, Schluß. Die gleichen Argumente sollten niemals für Pro und Contra verwendet werden, Argumente der Gliederung dürfen sich nicht widersprechen! Die Gliederung sollte durchgängig und einheitlich entweder in Stichwörtern oder in ganzen Sätzen abgefaßt werden. Die Gliederung muß auch ohne
die Ausführung verständlich und aussagekräftig sein.
c) Ausführung In der Ausführung werden alle Gliederungspunkte in der gleichen Reihenfolge wie in der Gliederung behandelt, die einzelnen Abschnitte werden nur durch Beispiele und Belege deutlicher und anschaulicher. d. h., es ist im Zweifelsfall besser, eine relativ straffe Gliederung sachgemäß auszuführen als eine sehr umfangreiche Gliederung lediglich noch einmal zu wiederholen. Nach jedem Gliederungspunkt sollte der Aufsatz mit einer neuen Zeile beginnen. Vermeiden Sie gespreizt und steif wirkende Regiebemerkungen ("Ich werde jetzt ...", "Nachdem ich ..., will ich jetzt ..."). (Zusammengestellt nach: Ulrike Brehm u. a.: Erörterung. München: Oldenbourg 1996.) |
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