Arbeitstechniken

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Prinzipien der Visualisierung

Wenn nach Aristoteles jeder Vortrag seinem Wesen nach auf den Zuhörer „zielt“, so muss sich der Redner auch darüber Gedanken machen, wie sein Publikum die vorgetragenen Inhalte eigentlich wahrnimmt. Genügt es, wenn sein „Auditorium“ den Vortrag nur hört oder sollte es die wichtigsten Aussagen auch sehen?

Wenn der Mensch normalerweise mit Augen und Ohren wahrnimmt, dann ist eine Rede ohne Visualisierung einseitig, denn die zweite wichtige Sinneswahrnehmung bleibt weitgehend ungenutzt. Also genügt es nicht, die Sache nur mündlich vorzutragen, die wesentlichen Inhalte müssen auch sichtbar gemacht - also visualisiert werden. Dahinter verbirgt sich die Erfahrung, dass der Zuhörer besser versteht und deutlich mehr behält, wenn er die wesentlichen Inhalte des Gehörten auch sieht. Dies heißt also: Wer wirklich auf Visualisierung verzichten wollte, nähme in Kauf, dass ihn seine Zuhörer schlechter verstehen und deutlich weniger von seinem Vortrag behalten.

Zur Visualisierung bieten sich verschiedene Präsentationstechniken an:

  • der Tafelanschrieb
  • das Flipchart 
  • die Folie für den Tageslichtprojektor 
  • die computergestützte Präsentation
Alle diese Visualisierungstechniken machen schwierige Inhalte verständlicher und sorgen dafür, dass diese Inhalte auch besser im Gedächtnis haften bleiben. Darüber hinaus sind weitere Vorteile bedenkenswert.
 
  • Durch Visualisierung wird die Aufmerksamkeit der Zuhörer gebündelt und (wie bei jedem Methodenwechsel) vorübergehend erhöht.
  • Indem Zuhörer die Visualisierung als etwas besonders Wichtiges erfahren, wird ein diskretes (nonverbales) Signal zum Mitschreiben gegeben.
  • Die Visualisierung ist während des Vortrags präsent (zumindest kann sie wieder zu-rückgeholt werden); die Zuhörer können sich bei Zwischen- und Nachfragen leichter auf bestimmte Gliederungspunkte beziehen.
  • In der Sache werden deutliche Schwerpunkte gesetzt; Komplexes wird veranschaulicht.
  • Durch Reduktion auf das Wesentliche lassen sich Strukturen leichter erkennen.
  • Durch die Wahrnehmung über zwei Lernkanäle wird die Gefahr von Missverständnissen vermindert, die Genauigkeit der Informationsübertragung (Daten, Rechtschreibung) wird verbessert.
  • Der Vortragende kann die Visualisierung als Stichwortliste für das freie(re) Sprechen nutzen.


Visualisierungen erhöhen die Verständlichkeit und die Einprägsamkeit des Gesagten. Dabei genügt es allerdings nicht, dass visualisiert wird, vielmehr kommt es auf das Wie, also auf die angemessene Präsentationstechnik und die konkrete Gestaltung an. Denn ein und derselbe Inhalt kann auf sehr unterschiedliche Weise visualisiert werden. [...]

Bei Visualisierungen [sollte] beachtet werden:
 

  • Visualisierungen haben grundsätzlich eine Überschrift; diese kann auch, wenn man Ergebnisse nicht vorweg nehmen möchte, nachträglich erfolgen.
  • Visualisierungen sollen nicht einzelne Informationen aufzählen, sondern deren ge-dankliche Struktur verdeutlichen.
  • Visualisierungen dienen der Reduktion und der Konzentration, daher: Mut zur Lücke und Verzicht auf unnötige Details!
  • Daten und Zahlenwerte sollten möglichst grafisch dargestellt werden: als Kurven-, Balken oder Kreisdiagramm.
  • Visualisierungen sollen arbeitsökonomisch sein: Sie sollen auf das Nötigste reduziert und gleichzeitig so ausführlich sein, dass der Zuhörer auch nach einigem zeitlichen Abstand etwas mit den Stichworten anfangen kann.
  • Visualisierungen dürfen den Zuhörer nicht überfordern, aber auch der Aufwand für den Referenten soll in einem angemessenen Verhältnis stehen.
  • Der Vorgang des Schreibens oder der Projektion sollte sich harmonisch in den Vor-trag einpassen und den Blickkontakt nicht zu lange unterbrechen. Keine Visualisie-rung ist so gut, dass sie eine Verschlechterung der Rhetorik rechtfertigt.
  • Die Funktion der jeweiligen Visualisierung sollte jedem Zuhörer bewusst sein: Soll mitgeschrieben werden oder dient die Visualisierung nur zur Anschauung? Handelt es sich um Basiswissen oder nur um eine ergänzende oder illustrierende Visualisierung?
Beim Einsatz von Visualisierungen ist zu bedenken, dass diese auf mannigfaltige Weise eingesetzt werden können. Sie können den Vortrag vom Anfang bis zum Schluss begleiten oder sie können punktuell eingesetzt werden, bei einer besonders wichtigen Stelle (etwa dem Höhepunkt der Rede) oder bei einer Zusammenfassung. Sie können alle wesentlichen Informationen bewusst machen oder nur die Gliederung des Vortrags wiedergeben. Sie können als „Augenöffner“ schlaglichtartig den Vortrag einleiten und das Thema motivieren oder - etwa als Karikatur - einen humorvollen Schlusspunkt (Pointe) abgeben. Sie können du- oder sachorientiert eingesetzt werden: also nur die wesentlichen Du-Botschaften, den Appell bzw. das Fazit für den Zuhörer, sichtbar machen oder die Struktur des Themas wiedergeben und alle wichtigen Aussagen zusammenfassen. So verschieden die Einsatzmöglichkeiten auch sein mögen, sie sollten im-mer auf ihre Funktion im Rahmen des Vortrags überprüft werden. [...]
 

Gestaltungsprinzipien

1.  Struktur: Die Visualisierung sollte vor allem die gedankliche Struktur des Vortrags widerspiegeln; dabei sind u. a. die folgenden Kategorien zu berücksichtigen:

  • Zuordnung, Abgrenzung
  • Unter- oder Überordnung
  • Chronologie oder Kausalität (Ursache, Wirkung)
  • Gegensätzlichkeit (Pro - Kontra, Vor- und Nachteile) 
  • Aufzählung: zufällig oder in bewusster Reihenfolge (z. B. Steigerung) usw.
2.  Textreduktion: Die Visualisierung muss sich deutlich vom gesprochenen Text absetzen. Sie dient der gedanklichen Reduktion und der Konzentration auf das Wesentliche.

3.  Hervorhebung: Was besonders wichtig ist, kann durch Auszeichnung, Farbigkeit oder Schriftwechsel optisch hervorgehoben werden.

4.  Ähnlichkeit: Was ähnlich oder gleich ist bzw. der gleichen Kategorie angehört, sollte durch ähnliche oder gleiche Formatierungen dargestellt werden (Schriftart, Schriftgröße, Auszeichnung, Farbe).

5.  Zusammenhang: Was inhaltlich zusammen gehört, sollte durch Absätze, unterschiedliche Zeilenabstände, Trennungslinien, Spalten usw. von anderen Inhalten abgesetzt werden. Wichtiges kann durch Textrahmen oder Tonwertflächen (Schattierungen) zusätzlich hervorgehoben und zusammengefasst werden.

6.  Grafische Elemente: Texte lassen sich häufig durch Bilder, Skizzen oder Diagramme ergänzen. Auch Symbole (Pfeile, Gliederungspunkte, Verkehrszeichen usw.) oder prägnante Formen (Pyramide, Entwicklungsstufen, Haus, Säulen usw.) sind für die Gestaltung von Texten hilfreich.

7.  Farbigkeit: Farbe erhöht nicht nur die Aufmerksamkeit bei einer Visualisierung. Gezielt eingesetzt (das heißt: konsequent, funktional und sparsam verwendet) kann Farbigkeit darüber hinaus Strukturen verdeutlichen und somit auch die Verständlichkeit erhöhen. 

8.  Angemessenheit: Beachtet werden sollten nicht nur der Zusammenhang von Inhalt und Form, sondern auch Situation und Zielgruppe sowie der Grundsatz der Arbeitsökonomie. Übertreibungen in der Gestaltung verbieten sich damit von selbst.

(Stephan Gora: Schule der Rhetorik. Ein Lese- und Arbeitsbuch. Leipzig: Klett 2001. S. 57 - 60. - Gekürzt.)
 
 

Mit Farben visualisieren

Mit Farben kann man eine optische Präsentation lebendig gestalten. Verwenden Sie aber zusätzlich zu dem normalen Schwarzweiß nicht mehr als drei verschiedene Farben. Zusammengehörige Aussagen, Bereiche oder Aspekte erhalten immer die gleiche Farbe. Den Farben werden unterschiedliche Symbolbedeutungen und Wirkungen zugeschrieben. Das sollte man beachten. Allerdings sind diese Zuordnungen nicht eindeutig, es gibt immer mehrere Assoziationen und Wirkungen:
 
 

Farbe Mögliche Bedeutung Mögliche Wirkung
Gelb
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Sonne, Helligkeit, Reife, Ernte, aber auch: Wüste, Trockenheit, Krieg, Mißtrauen, Neid sanft reizend, beweglich, aktiv, kommunikativ, expansiv, kreativ
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Orange
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Schutz, Fülle, Wärme, Saft
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gesellig, reizend, aktiv, verströmend, mächtig
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Rot
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Liebe, Erregung, Hitze, Blut; auch: Gefahr, Verbot, Kommunismus stark aktivierend, belebend, spannend, leidenschaftlich, dynamisch, kraftvoll
Blau
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Treue, Frieden, Entspannung, Himmel, Sauberkeit, Sehnsucht,  auch: (Gefühls-)  Kälte konzentriert, wahrhaftig, seriös, leidenschaftslos, kühl, nüchtern, kalt, passiv
Grün
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Ruhe, Ausgeglichenheit, Wald, Erholung, Gesundheit, Irland, Klee, Frische, aber auch: Unreife ausgleichend, passiv, neutral, beruhigend, sichernd, mitfühlend
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Schwarz
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Tod, Angst, Gefahr, Haß, Individualität, Exzentrik
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schwer, statisch, unbeweglich, bedrückend, bedeutungsvoll
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Weiß
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Unschuld, Licht, Stille, Leere, Wahrheit, Langeweile, Winter, Kapitulation schwer, statisch, unbeweglich, bedrückend, bedeutungsvoll
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(Marita Pabst-Weinschenk: Reden im Studium. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft 2000. S. 88f.)


 
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