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Präsentationstechniken

1. Tafelanschrieb:
Mit einfachen Mittel unmittelbar visualisieren

Eine der ältesten und bewährtesten Präsentationstechniken ist der Tafelanschrieb. Eine geniale Technik, denn mit wenig Aufwand ist sie in den meisten Unterrichtsräumen jederzeit einsatzbereit, dabei günstig in den Kosten und ökologisch wie keine andere Technik.

Tafelanschriebe sind unmittelbar und einzigartig. Da sie nach der Unterrichtsstunde oder dem Vortrag wieder weggewischt werden, werden sie immer eigens für eine bestimmte Zuhörergruppe entwickelt. Die persönliche Handschrift und eigene Skizzen verleihen dem Tafelanschrieb eine persönliche Note.

Da sich der Tafelanschrieb vor den Augen der Zuhörer vollzieht, ist die Entwicklung der Gedanken besonders leicht nachvollziehbar. Daneben lässt sich der Anschrieb auch im Dialog mit den Zuhörern entwickeln und ist daher auch für spontane Ergebnisse offen. Wenn sich ein Beitrag in der nachfolgenden Diskussion als falsch erweist, ist die entsprechende Visualisierung schnell wieder weggewischt. Diese Offenheit bedeutet aber nicht, dass der Tafelanschrieb nicht sorgfältig vorbereitet und genau geplant sein will. Ganz im Gegenteil: Der Redner weiß genau, wann er im Verlauf der Rede die Tafel einsetzt, welche Funktion der Tafelanschrieb hat und welche Struktur er ihm geben will. Der Tafelanschrieb sollte sich aus dem Vortrag oder der Diskussion mit den Zuhörern ergeben, daher wird er nur selten ganz am Anfang stehen. Der Tafelanschrieb kann dazu dienen, die wichtigsten Inhalte des Vortrags festzuhalten oder die Beiträge der Zuhörer zu sammeln. Immer sollte er aber eine klare Struktur aufweisen: ein Spaltenschema mit Vor- und Nachteilen, eine Aufzählung in chronologischer oder sachlogischer Reihenfolge oder eine Unterordnung unter bestimmte Oberbegriffe und Aspekte. Wenn es dem Redner gegeben ist, vor den Augen der Zuhörer ein Tafelbild zu entwerfen, dann ist das Medium Tafel optimal eingesetzt.

Beim Schreiben an der Tafel sollte der Redner möglichst nicht oder nur wenig sprechen. Die eintretende Stille ist ein stummer Impuls zum Mitschreiben oder zumindest eine Mitdenkpause für den Zuhörer. Gute Tafelanschriebe zeichnen sich durch eine gelungene Reduktion aus; sie halten also nicht wörtlich und in voller Ausführlichkeit das Gesagte fest, sondern fassen es in prägnanten Formulierungen zusammen. Dies ist wichtig, damit sich der Redner nicht zu lange von seinem Publikum abwendet und damit der Anschrieb nicht zu umfangreich wird, denn das Mitschreiben ist - aus rhetorischer Sicht - nicht der zentrale Sinn eines Vortrags. Daher gilt die Faustregel: Niemals während des Vortrags wischen - eine Tafel für einen Vortrag!

Die gedankliche Struktur des Tafelanschriebs muss sich auch in der grafischen Anordnung widerspiegeln: durch Abstände, durch Gliederungssymbole, durch Unterstreichungen, aber auch durch den Einsatz von farbiger Kreide oder von Druck- und Großbuchstaben.

Trotz vieler Vorteile scheuen Redner häufig vor dem Tafelanschrieb zurück: Der körperliche Aufwand, der zu erwartende Kreidestaub an Händen und Kleidung und die Organisation des nachträglichen Tafelwischens halten manchen von dieser sinnvollen Präsentationstechnik ab. Wirklich ernst zu nehmen sind Vorbehalte wegen einer unschönen Schrift oder aufgrund von Unsicherheiten in der Rechtschreibung.

Zunächst zur Schrift: Diese ist meist besser lesbar, als es der Schreiber annimmt, zumal sich die Zuhörer meist überraschend schnell an die individuelle Schrift des Redners gewöhnen. Wer sich in seinen persönlichen Notizen eine schludrige oder nachlässige Schrift zugesteht, schreibt in der öffentlichen Situation an der Tafel zudem oft sorgfältigen Im Gegensatz zur glatten Oberfläche auf der Folie oder der White Board hat die Kreidetafel den Vorteil, dass sie zu einem langsameren Schreiben zwingt und damit in den meisten Fällen auch eine bessere Schrift fördert. Wer keine Erfahrung mit dem Tafelanschrieb hat, sollte dies vor dem Vortrag aber unbedingt einmal ausprobieren, nicht nur wegen der Schrift, sondern auch wegen der Anordnung.

Nun zur Rechtschreibung: Grundsätzlich weiß der Redner ja schon bei der Vorbereitung seines Vortrags, was er an die Tafel schreiben oder auf andere Weise visualisieren möchte. In dieser Phase kann er sich der korrekten Schreibweisen vergewissern und sich diese einprägen. Zur Sicherheit kann er den geplanten Aufschrieb einer vertrauten Person zur Korrektur geben. Schwieriger wird es, wenn er spontane Beiträge aus dem Publikum aufgreifen und visualisieren möchte. Aber auch das gehört zu einer gründlichen Redevorbereitung: dass der Redner die möglichen Antworten der Zuhörer bedenkt und mögliche Rechtschreibprobleme im Vorfeld überprüft. Aber zugegeben, es bleibt ein Risiko, dessen Bewältigung sehr von der Souveränität und Selbstsicherheit des Einzelnen abhängt.

Keiner der Vorbehalte, weder die Unzufriedenheit mit der eigenen Handschrift noch Unsicherheiten in der Rechtschreibung, rechtfertigen den Verzicht auf diese Präsentationstechnik, die unmittelbar Gedanken visualisiert und offen ist für spontane oder im Unterrichtsgespräch herbeigeführte Vorschläge aus dem Publikum.

Technische Hinweise

In der Regel ist die Tafel zwei Meter breit und einen Meter hoch, die meist aufklappbaren Seitentafeln haben dann jeweils eine Fläche von einem Quadratmeter. Bei einer Zeilenhöhe von acht bis 10 Zentimetern passen also 10 bis 12 Zeilen gut auf die Tafel. Mehr sollten es aber nicht sein! Die zentralen Aussagen sollten auf der Haupttafel platziert werden. Die Seitentafeln sollten für Anmerkungen und Erläuterungen reserviert bleiben. 

Da Kreidestaub im Bereich der Computer und der modernen Bürokommunikation unerwünscht ist (vielleicht auch, weil die Kreidetafel mit negativen Schulerlebnissen assoziiert wird), sind Tafel und Kreide in vielen Bereichen durch die White Board mit den entsprechenden Filzstiften (Boardmarkern) ersetzt worden. An der Funktion des Tafelanschriebs und der Notwendigkeit einer Visualisierung ändert sich dadurch grundsätzlich kaum etwas. Erwähnenswert ist lediglich die Möglichkeit, Magnete zu verwenden. Mit deren Hilfe lassen sich vorbereitete Materialien (Papierbögen, Poster, Zeichnungen, Fotos oder Moderationskarten) schnell und problemlos anbringen und gegebenenfalls durch spontane Anschriebe ergänzen.

(Stephan Gora: Schule der Rhetorik. Ein Lese- und Arbeitsbuch. Leipzig: Klett 2001. S. 62 - 65.)
 


 
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