Arbeitstechniken

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Präsentationstechniken

3. Projektion von Folien -
Ohne Zeitverlust das Wesentliche auf den Punkt bringen


 

Die Projektion von Folien hat in den letzten Jahren enorm zugenommen. In vielen Bereichen stellt die Arbeit am Tageslichtprojektor immer noch die am häufigsten angewandte Präsentationstechnik dar - ganz zu Recht, bietet sie doch gegenüber dem Tafelanschrieb eine Reihe von Vorteilen:
 

  • Folien lassen sich in aller Ruhe vorbereiten. Eine gut gestaltete und gegliederte Folie gibt Sicherheit beim Sprechen und mindert die Aufregung. Der Redner braucht sich nicht mehr mit dem Schreiben aufzuhalten und kann sich ganz auf seinen Vortrag konzentrieren.
  • Folien sind wieder verwendbar, sie müssen nicht bei jedem Vortrag zum gleichen Thema neu erstellt werden. Wer denselben Vortrag immer wieder vor unterschiedlicher Zuhörerschaft hält, braucht seine Folien nur einmal herstellen. Da sich Folien mit Textverarbeitungsprogrammen herstellen lassen, sind sie leichter optimierbar, meist auch technisch ausgefeilter.


Umgekehrt ist aber zu bedenken
 

  • Folien verursachen nicht ganz unerhebliche Kosten - am wenigsten noch für beschreibbare Folien, mehr schon für den (einfarbigen) Laserdrucker, mehr als doppelt so viel für den Tintenstrahl-Drucker. 
  • Da sich die Folie relativ zügig auflegen lässt, wird der Zuhörer leichter überfordert, denn die Gedanken werden ja nicht wie beim Tafelanschrieb Schritt für Schritt entwickelt. Der unmittelbare Zusammenhang von Gedanke und entsprechender Visualisierung ist nicht mehr gegeben. [...]
Werden Folien mithilfe des Computers erstellt, so genügt es nicht, das Manuskript einfach auf eine Folie zu drucken. Folien sind ja immer eine prägnante Kurzfassung des Redetextes. Und auch die Standard-Einsteilung für die Schriftgröße ist für Folien nicht geeignet. Hier muss der Redner also umdenken und beispielsweise die Schriftgröße auf mindestens 16 Punkt erhöhen.

Wer mit einfachen Mitteln ansprechende Folien erstellen möchte, ist gut beraten darüber hinaus die folgenden Grundregeln zu beachten:
 

  • Das Layout sollte übersichtlich und zu einem Thema möglichst einheitlich gestaltet sein.
  • Ein Schriftwechsel kann zur besseren Unterscheidung sinnvoll sein: serifenlose Schrift für Überschriften und Zwischenüberschriften, Serifen-Schrift für den Grundtext, evtl. eine kursive Auszeichnung oder eine gut lesbare dritte Schrift für Besonderheiten wie Zitate; alles in allem ist es nicht ratsam mehr als drei unterschiedliche Schriften auszuwählen!
  • Auszeichnungen (fett, kursiv, unterstrichen usw.) sollten sparsam und möglichst konsequent verwendet werden, Oberformatierungen sind besonders auf der Folie strikt zu vermeiden.
  • Bei der Verwendung von Rahmen und Tonwertflächen (Schattierungen) ist es zweckmäßig einen Abstand zum Text einzuhalten. Da Tonwertflächen auf dem Papier ganz anders wirken als bei der Projektion, sind diese vor dem Vortrag unbedingt auf ihre Lichtdurchlässigkeit und Farbechtheit zu überprüfen.
  • Wenn einzelne Wörter mit einer Bunt-Farbe geschrieben werden, dann sollten sie, um optisch mit dem kräftigeren Schwarz konkurrieren zu können, zusätzlich fett formatiert werden. Pfiffiger ist es aber in vielen Fällen, die Schrift schwarz zu belassen, dafür aber Rahmen, Gliederungssymbole oder Unterstreichungen farbig zu gestalten.
Was die Anzahl und den Umfang der während eines Vortrags eingesetzten Folien betrifft, scheiden sich die Geister. Unfug ist es sicherlich, parallel zum Redetext mechanisch Folie für Folie aufzulegen oder schlimmer noch: Folien aufzulegen und diese dann stur abzulesen oder einfach nur zu kommentieren. Folien sollten niemals zum Selbstläufer werden, die den Vortrag beherrschen. Dies kommt in der Praxis leider immer wieder vor, ist aber eine Pervertierung der Redesituation.

Manche Redner arbeiten mit Folien-Folgen, mit deren Hilfe sie kleinschrittig ihre Gedanken entwickeln. Bei diesem du-orientierten Vorgehen ergeben sich Schriftgrößen von 24 bis 48 Punkt und ein Zeilenumfang von etwa 8 bis 12 Zeilen. Andere Redner kommen dagegen mit ein bis drei Folien aus, die in diesem Fall allerdings eine größere Textmenge aufweisen dürfen: Bei einer Schriftgröße von mindestens 16 Punkt können es dann maximal 20 Zeilen sein. Aber auch hier gilt: Weniger ist (meist) mehr! Für einen zwanzigminütigen Vortrag sollte bei sinnvoller Schwerpunktsetzung in der Visualisierung eine Folie genügen!

Wer den Tageslichtprojektor funktional und gezielt einsetzt, wird ihn zwischendurch immer wieder aus- bzw. dunkelschalten und ihn ausgeschaltet lassen, wenn es nichts zu visualisieren gibt. Bei einem Wechsel der Folien sollte der Redner jede Folie zuerst kurz wirken lassen, bevor er zur nächsten überleitet.

Mit einfachen Mitteln lässt sich auch die Präsentation am Tageslicht-Projektor noch wirkungsvoller gestalten: Beim Overlay-Verfahren wird auf eine Grundfolie eine weiterführende Folie mit einem neuen Aspekt aufgelegt. (Hierzu ein Tipp: um Verschiebungen zwischen beiden Folien zu vermeiden, ersetzt der Redner die Grundfolie durch die zweite Folie, die bereits die Informationen der Grundfolie enthält). Durch sukzessives Auf- bzw. Abdecken der Folie steuert der Redner genau die Wahrnehmung seiner Zuhörer.

Handschriftliche Ergänzungen mit dem Folienstift zu vorgegebenen Stichworten sind immer möglich (technisch vereinfacht wird dies durch Drucker, die im Invers-Verfahren ausdrucken: die vorgegebenen Stichworte - Aspekte - liegen dadurch geschützt auf der Unterseite der Folie, während der Redner auf die abwischbare Oberseite schreibt). Beim Folien-Puzzle wird die Folie auseinandergeschnitten, sodass die einzelnen Bild- oder Textelemente auf der Glasplatte verschoben und vor den Augen der Zuhörer geordnet werden können. Durch ZeigeInstrumente (gespitzter Bleistift o. Ä.) kann auf Details auf-merksam gemacht werden.

Ob der Vortragende direkt am Tageslichtprojektor [...] oder an der Projektionswand steht, hängt von den Gegebenheiten ab. Entscheidend ist aber immer der Blickkontakt zum Publikum!

Technische Hinweise
Folien liegen zwar im Din-A4 Format vor, die meisten Tageslichtprojektoren sind aber in der Regel für die Maße 20 cm x 25 cm (im Hochformat) bzw. 25 cm x 20 cm (im Querformat) ausgelegt. Die Schriftgröße sollte deshalb auf dem Computer mindestens 16 Punkt betragen, bei Überschriften mindestens 24 Punkt, bei einer Grundschrift von 24 Punkt wird die Überschrift auf bis zu 36 Punkt gesetzt; werden Folien mit Hand geschrieben, muss die Schrift etwas größer ausfallen, also mindestens einen Zentimeter für jede Zeile im Text. Was den Zeilenumfang angeht, sind 20 Zeilen pro Folie die Obergrenze! Eine größere Schrift und ein geringerer Zeilenumfang sind immer besser!
Der Abstand zwischen Text und Rahmen bzw. Tonwertflächen sollte mindestens acht Punkt betragen.
Es lohnt sich, auch die Projektion über den Tageslichtprojektor technisch zu optimieren: Abstand, Projektionswinkel, Schärfe, Abdunklung, Format sollten so eingerichtet werden, dass die Projektionsfläche in vollem Umfang und bei minimaler Verzerrung und geringem Lichtverlust genutzt wird. Im Gegensatz zu computergestützten Präsentationen sollte der Hintergrund daher möglichst transparent gehalten werden.

Grundsätzlich gilt: Folien dürfen farbig sein, aber - bitte! - niemals bunt.

(Stephan Gora: Schule der Rhetorik. Ein Lese- und Arbeitsbuch. Leipzig: Klett 2001. S. 70 - 72.)
 


 
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