Arbeitstechniken
Informationsbeschaffung
Texte lesen
| Es ist ein Unterschied, ob man morgens beim Frühstück die Zeitung überfliegt, ob man einen literari- schen Text mit angespannter Aufmerksamkeit liest oder ob man einen Vertragstext prüft, den man anschließend unterschreiben soll. Aus Untersuchungen zum Leseverhalten können einige Unterschei- dungen abgeleitet werden: |
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| Zu beachten bleibt, daß der
kompetente Leser sein Leseverhalten, der gegebenen Situation entspre- chend,
dauernd wandelt: Er liest - beispielsweise - informatorisch die Rechnung
des Handwerkers, kognitiv die neue Fachliteratur, literarisch die Neuerscheinung
eines Autors und in den Ferien evasorisch einen Kriminalroman. Das Leseverhalten
ist nicht automatisch mit dem Lesegegenstand verknüpft: Karl Mays
"Winnetou" kann man evasorisch, aber auch literarisch, sogar kognitiv lesen;
Schillers Roman "Der Geisterseher" ist keineswegs dem Literaten vorbehalten,
er kann auch rein stofflich "ohne Ansprüche" aufgenommen werden. [...]
Sachinformation: 2. Evasorisch: Im Hintergrund ist das lateinische Verb evadere = 1. herausgehen, herauskommen, 2. entkommen, entschlüpfen, entrinnen auszumachen. Auf dieses Wort geht das Lehnwort Evasion (Gegensatz: Invasion) zurück, das Entweichung, Flucht bedeutet. Evasorisch wird als veraltet für "ausweichend, Ausflüchte suchend" angegeben. Anreize zum evasorischen Lesen bieten sogenannte Groschenromane, aber auch Kriminal- und Abenteuerromane. 3. Kognitiv: Das lateinische Verb cognoscere = 1. erkennen, kennenlernen; 2. wahrnehmen, bemerken, einsehen, erfahren, vernehmen; 3. auskundschaften, prüfen, lesen ist bestimmend für die neulateinische Bildung des Adjektivs kognitiv = die Erkenntnis betreffend. Im Gegensatz zum informatorischen Lesen führt das kognitive Lesen direkt in die Bereiche der Wissenschaft und Philosophie, wo es um Erkenntnisse im eigentlichen Sinn des Wortes geht. 4. Literarisch: Von dem lateinischen Wort littera = der Buchstabe sind abgeleitet litteratura = das Alphabet, litterator = der Sprachgelehrte, litterarius = zum Lesen und Schreiben gehörig. Der Begriff der Literatur hat sich im Laufe der Zeit gewandelt und wird augenblicklich sowohl in einem sehr weiten als auch in einem engen Sinn gebraucht. [Hier] wird vorgeschlagen, den Begriff "literarisches Lesen" auf jene Texte zu beziehen, die durch "Literarität" ausgezeichnet sind. Eindeutig literarische Texte sind solche, die sich durch eine besondere Gestaltung auszeichnen und die zu Deutung und Auseinandersetzung auffordern. |
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